DAS DEUTSCHESTE ALLER DRAMEN. KLEISTS HERRMANNSSCHLACHT UND DER ZEITGEIST

Wann:
4. Oktober 2020 – 17. Oktober 2020 ganztägig
2020-10-04T00:00:00+02:00
2020-10-18T00:00:00+02:00
Wo:
Kleist–Museum
Faberstraße 6-7
15230 Frankfurt (Oder)

Sonderausstellung des Kleist–Museums
04. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021

Heinrich von Kleists Drama Die Herrmannsschlacht, 1808 geschrieben und 1821 veröffentlicht, hat eine wechselvolle Rezeptionsgeschichte. Sie liegt vor allem in Kleists Stoffwahl begründet, diente doch der Mythos um die Hermanns– bzw. Varusschlacht im Jahre 9 schon seit seiner ›Erfindung‹ im 15. Jahrhundert der Konstruktion einer deutschen Nation.

Nach anfänglicher Wirkungslosigkeit wurde das Drama nach 1875 in den Kanon der nationalen Literatur aufgenommen und erlebte in den 1920er und 1930er Jahren eine derartig nationalistische, faschistische Funktionalisierung, dass bis in die 1980er Jahre eine Zeit relativen Verschweigens folgte. Seitdem gab und gibt es unterschiedlichste Wiederaneignungsversuche. Die Ausstellung fokussiert auf die Theaterrezeption der Herrmannsschlacht. Was passiert mit einem sogenannten politischen Tendenzstück, das »einzig und allein auf diesen Augenblick berechnet war« (Kleist an Collin, 20. April 1809), wenn es nach seinem eigentlichen Augenblick, unter einem neuen Zeit- geist auf die Bühne gebracht wird?
Welche Reibungen entstehen zwischen Theaterinszenierungen und ihren Kritiken, also zwischen Rezeption und Rezeption der Rezeption? Welche Deutungskämpfe werden ausgetragen? Während die Besucher*innen im ersten Ausstellungsraum einer Chronologie der Rezeptionen folgen, wer- den sie im zweiten Ausstellungsraum in die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Bühnenrealisierungen versetzt — und aufgefordert, daran mitzuarbeiten: Mit Hilfe von Textausschnitten, Bühnenbildern und Requisiten können die Besucher*innen ihre ganz eigenen, ganz aktuellen Herrmannsschlachten inszenieren.

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