SONDER-AUSSTELLUNG – HIMMLISCHER REGEN AUF DIE ERDE. KLEIST BEI FONTANE.

Wann:
20. Oktober 2019 – 26. Januar 2020 ganztägig
2019-10-20T00:00:00+02:00
2020-01-27T00:00:00+01:00
Wo:
Kleist-Museum
Faberstraße 6-7
15230 Frankfurt (Oder)
Preis:
5,- € / 3,- €

Sonder-Ausstellung
DI. BIS SO. | 10:00 BIS 18:00

Kuratorinnenführungen:
SA 19.10. | 18:30 | DO 24.10. | 18:00 | SO 27.10. | 13:00

Theodor Fontane berichtete in seinen Wanderungen nur beiläufig von Kleists Sterbeort, dessen Dichtungen spielen dabei keine Rolle. Doch einen »Ausflug bis zu Stimmings [zu] machen, um Heinrich v. Kleists Grab« zu sehen, fand der unternehmungslustige Fontane immerhin notwendig. Im Zuge der wachsenden Kleist-Renaissance seit den 1870-er Jahren beschäftigte sich Fontane ausführlich mit dem Werk Heinrich von Kleists. 1872, in der Sommerfrische in Krummhübel, las er sämtliche Dramen und Erzählungen und war dabei durchaus kritisch: Kleists außerordentliches Talent sei viel zu »poetisch-romantisch«, weil der Prinz von Homburg in einem unhistorisch wirkenden Stück nicht als Held, sondern eher als »Waschlappen« auftrete. Die Erzählungen dagegen seien spannend und meisterhaft ent- wickelt, sogar in ihren schrecklichsten Momenten. Otto Brahms biografische Kleist-Studie brachte Fontane 1884 erneut auf Kleist, den damals besonders für die Herrmannsschlacht und das Käthchen von Heilbronn hoch geachteten Dichter.

Fontanes Kleist-Lektüre ist eng an seine Tätigkeit als Theaterkritiker für die Vossische Zeitung 1870 – 1889 gebunden. Die anfangs scharfen Urteile sind in den sieben Rezensionen zu Kleist-Stücken deutlich abgemildert. Sie bilden nur einen kleinen Teil der 740 Theaterkritiken, in deren Entstehungszeit Theodor Fontane selbst der Durchbruch als Erzähler und Romancier gelang. Auch wenn Fontanes Theaterkritiken bis heute nicht sehr bekannt sind, lässt sich doch einiges in ihnen entdecken, etwa in Beschreibungen damaliger Theaterpraxis und -dichtung oder die verschleierte Selbstdarstellung des Dichters.

Die Ausstellung widmet sich Fontanes Texten zu Kleist, den Lesenotizen und Theater- kritiken. Daraus entsteht ein Kleist-Bild, das zwischen aufrichtiger Bewunderung und verständnisloser Ablehnung schwankt. Bei einer Betrachtung der Lebenswege dieser beiden bekanntesten märkisch-preußischen Dichter klingen Parallelen an. Außerdem wird mit Fontanes historisch-vaterländischem Roman Vor dem Sturm ein Panorama der Kleist-Zeit ausgebreitet. Der Ausstellungstitel ist einer Äußerung Fontanes entlehnt. Über den Dichter Ernst von Wildenbruch, einen Enkel des Prinzen Louis Ferdinand, schrieb er: »Wildenbruch hat wieder einen furchtbaren Vers gesündigt, der helle Blödsinn, und dieser Mann behauptet, der wiedererstandne Heinrich v. Kleist zu sein. Wenn Kleist nieste, fiel im Verhältniß zu W. ein himmlischer Regen auf die Erde.«

Ausstellungskuratierung: Dr. Claudia Czok Ausstellungsgestaltung: Thomas Lorenz-Herting