Vorwort

… Die Kleist-Festtage sind immer wieder ein schöner Anlass, unseren Dichter in eine besondere Perspektive zu stellen.
Diesmal geht es im Kleist-Museum um Fontanes Sicht auf Kleist. Was kaum jemand weiß: Fontane war ein scharfer Kritiker Kleists, sich aber gleichzeitig der herausragenden literarischen Qualität des Dramtikers und Erzählers bewusst. Die Sonderausstellung Himmlischer Regen auf die Erde stellt den Leser und Theaterkritiker Fontane dem Dichter Kleist gegenüber und beschreibt ein spannungs- reiches Verhältnis zweier märkischer Helden. Im Anschluss an die Vernissage liest die Schauspielerin Julia Jäger Texte von und über Theodor Fontane. Das beliebte Format der literarischen Exkursion führt uns an Lebensorte Fontanes in das Oderbruch.
Für Schüler*innen geht es beim THEO caching um Fontane-Spuren in der näheren Umgebung unserer Stadt. Gegen Ende der Kleist-Festtage bringen wir vor der imposanten Kulisse des Marienaltars der St.-Gertraud-Kirche Fontanes Erstling Vor dem Sturm in einer Bürgerschaftslesung vielstimmig zu Gehör.

Und es geht natürlich um Kleist. Ein trinationaler Theaterworkshop unter Leitung des Regisseurs Wolfgang Nägele macht das Kleist-Museum sie- ben Tage lang zur Bühne für Szenen aus Kleists Werk.
In einer Jazz-HipHop-Kurzoperette und in einem Theatergespräch diskutieren Kritiker und Verehrer der Kleistschen Dramatik u.a. über das Käthchen und über »gewisse ästhetische Grenzen«, die Fontane der Opferbereitschaft gesetzt sehen wollte. Um alles auf den Kopf zu stellen – und vielleicht die eine oder andere Grenze zu überschreiten, versammelt sich auf den Bühnen des Kleist Forums viel Prominenz. Hier versuchen wir uns mit allen zur Verfügung stehenden Theatermitteln und -formen den Dichtern (und anderen Helden) spielerisch zu nähern. Von der Uraufführung des diesjährigen Kleist-Förderpreisträgerstückes Warten auf Sturm von Peter Thiers über Katharina Franck, die mit dem Club der toten Dichter Fontane neu vertont, bis hin zu einem eigens produzierten Poetry Slam mit Kampf der Künste zeigen wir ein weites Spektrum an Darstellungsformen, zu dessen Höhepunkten sicherlich die Premiere der musikalischen Lesung des Käthchen von Heilbronn als One-Man-Show mit Thomas Thieme und einer Percussionistin zählt sowie die für das Festival gemeinsam mit dem Sandtheater Berlin und dem Euphoria Orchestra koproduzierte Sandmalerei-Show Effi Briest – Rhapsodie in Sand. Ob Sophie Rois oder das Theater am Rand: großes Theater mit großen Dichtern.

Auf viele schöne und außergewöhnliche Begegnungen!

Anette Handke und Florian Vogel