KLEIST - FESTTAGE 2020

» Es braucht der Tat, nicht der Verschwörungen. «

Heinrich von Kleist, Die Herrmannsschlacht

Liebes Publikum,

selten haben Schicksal und Fügung die Kleist-Festtage so maßgeblich geprägt wie diese ganz besondere Festivalausgabe. Mut, Unmut, Verzweiflung, Hoffnung, Abwarten und der Drang, unsere Häuser endlich wieder öffnen zu können, haben bei uns viel kreative Energie freigesetzt. Trotz des 1,5 Meter langen Damoklesschwertes, das immer noch über unseren Veranstaltungen vor, hinter und auf der Bühne schwebt, versammeln sich unter dem diesjährigen Festivalmotto Die da drüben – Kleist & Konsorten mit Abstand die meisten Eigenproduktionen, die das Festival je gesehen hat.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie und deren Folgen haben die Sicht auf die Welt, die Dinge und unser Leben in der Dimension verändert, wie wir sie von großen historischen oder kulturellen Umbrüchen kennen. Deshalb schauen Die da drüben – Kleist & Konsorten auch auf das Andere, öffnen neue Sichtweisen und reflektieren mit außergewöhnlichen Formaten und großartigen Schauspielern Themen wie nationale Identität, das Fremde, Erfundene, Echte und natürlich auch die Wende und die Wiedervereinigung. Hier treffen Kleist auf Schiller und Gaudy auf Kleist, Kafka auf einen Poetry Slam und Hacks auf Gunter Schoß, eine Band auf Robert Stadlober und das Publikum auf Kleist kontrovers, Stefan Heym auf Amphitryon und theater 89 einmal mehr auf Kleist, Israel auf Palästina und Deutschland auf Polen und (fast) zum Abschluss in der Bürgerschaftslesung wir alle auf fast 250 Jahre Geschichte. Die Sonderausstellung zu den Kleist-Festtagen richtet den Fokus auf „das deutscheste aller Dramen“ und reflektiert die wechselvolle Rezeptionsgeschichte zu „Kleists Herrmannsschlacht und dem Zeitgeist“.

Die Kleist-Festtage laden zu Begegnungen und Diskussionen, zu Theater und Gespräch, Musik und Film, zur Debatte über unser aktuelles (Er-)Leben: mal wild, mal leise, mal intim, mal virtuos – eben wie die besondere Zeit, in der wir uns gerade befinden.

Wir freuen uns so sehr auf ein Wiedersehen – wirklich!

Florian Vogel und Anette Handke im Juli 2020