Programm 2020

Hier finden Sie unser Programm aus dem Jahr 2020.

Das digitale Programmheft können Sie sich hier als PDF herunterladen:

Okt
1
Do
2020
EROEFFNUNG DER KLEIST–FESTTAGE @ Kleist Forum
Okt 1 um 18:30

Verleihung des Kleist–Förderpreises für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2020
Eröffnung durch René Wilke, Dr. Hannah Lotte Lund, Anette Handke, Florian Vogel Preisverleihung an Magdalena Schrefel Laudatio von Albert Ostermaier

Jährlich wird der international anerkannte und renommierte Kleist–Förderpreis für junge Dramatiker*innen gemeinsam durch die Kleiststadt Frankfurt (Oder), die Dramaturgische Gesellschaft Berlin und das Kleist Forum Frankfurt (Oder) verliehen. Der mit 7.500 EUR dotierte Kleist–Förderpreis 2020 geht an Magdalena Schrefel für ihr Stück Ein Berg, viele. Im Anschluss an die Preisverleihung findet die Frankfurter Premiere der Uraufführungsinszenierung, produziert vom Schauspiel Leipzig in Koproduktion mit dem Kleist Forum, statt.

Magdalena Schrefel, geboren 1984 in Wien, studierte nach längeren Arbeitsaufenthalten in Vukovar und Göteborg an der Universität Wien Europäische Ethnologie sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für ihr Stück Die Bergung der Landschaft erhielt sie 2014 eine Einladung zum Heidelberger Stückemarkt, 2019 wurde es vom Bayrischen Rundfunk in Koproduktion mit dem ORF als Hörspiel produziert.

2017 fand die Uraufführung ihrer Sprengkörperballade am Schauspiel Köln statt, 2019 die österreichische Erstaufführung am Kosmos– Theater Wien. Für ihre Kurzprosa wurde sie 2017 mit dem AK–Literaturpreis der Arbeiterkammer Oberösterreich und 2018 mit dem Literaturpreis der Akademie Graz ausgezeichnet. 2019 erhielt sie das Wiener Dramatik Stipendium für die Arbeit an Ein Berg, viele, das zum Heidelberger Stückemarkt 2019 eingeladen wurde. Magdalena Schrefel lebt in Berlin.

In der Jurybegründung heißt es: »Das Stück ist eine Konfrontation mit dem Zerfall von Gedankengebirgen — befreiend und schmerzhaft zugleich. Der Autorin gelingt es mit ihrer szenischen Setzung, die Konstruktion von Grenzen aufzuzeigen, ob geografisch, politisch oder ideologisch. Sie hinterfragt ihren Nutzen und Urheberschaften und beschreibt, wie Scheinwelten und –autoritäten erschaffen werden. Dafür überlagert Magdalena Schrefel zeitgenössische, historische und fiktive Referenzen. Gleichzeitig erstreckt sich entlang ihrer vielfältigen Sprachfarben auch das Potential von gemeinsamen Linien, um Welt zu beschreiben und Utopien zu formulieren. ›Ein Berg, viele‹ ist mehr als ein Stück mit historischem Bezug. Es erzählt mit den Mitteln des Theaters von inszenierten Wirklichkeiten und öffnet da- rin einen klaren Blick auf unsere Gegenwart.«

© MuV Winfried Mausolf
PREMIERE – EIN BERG, VIELE @ Kleist Forum
Okt 1 um 19:30

Schauspiel von Magdalena Schrefel Koproduktion Schauspiel Leipzig und
Kleist Forum Frankfurt (Oder)
Gewinnerstück des Kleist–Förderpreises 2020

Ein erfahrener Geograph erklärt sich die Biegung des Niger durch ein natürliches Hindernis. In seine Karte des afrikanischen Kontinents setzt er deshalb die fiktiven »Kong–Berge« und füllt damit ihren letzten weißen Fleck. »Die Welt ist in seinem Kopf. Er vermisst sie in sich.« Ausgehend von dieser topologischen Behauptung entspinnt sich in Ein Berg, viele eine szenische Landschaft, die weite zeitliche und kulturelle Distanzen umspannt. Die darin beheimateten Figuren verhandeln verschiedene Strategien, ihre Welt zu vermessen — und zu verstehen. Dabei kratzen sie an der Selbstverständlichkeit bestehender Normen. Folglich werden sie auch mit dem Zerfall ihrer Gedankengebirge konfrontiert — eine befreiende wie schmerzliche Erfahrung.

Mit: Paulina Bittner, Thomas Braungardt, Anne Cathrin Buhtz, Patrick Isermeyer Regie: Pia Richter; Bühne und Kostüme: Julia Nussbaumer; Dramaturgie: Marleen Ilg

© Schauspiel Leipzig

 

Okt
2
Fr
2020
AUSSTELLUNG AUGENBLICKE IN JERUSALEM @ Kleist Forum · Wandelhalle
Okt 2 um 18:00

Vernissage

Ricarda Heidemann und Ernst Wilhelm Grüter lieben die traditionelle Form der sozialdokumentarischen Fotografie. In Israel, speziell in Jerusalem, treffen die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam in unter- schiedlicher Weise aufeinander. Dies mit der Kamera festzuhalten, war für die beiden Fotografen etwas ganz Besonderes. Die Erlebnisse während ihres Aufenthalts haben die Frankfurterin und den Hamburger angeregt, ein gemeinsames Fotobuch zu veröffentlichen und einen Teil dieser Fotos in einer Ausstellung im Kleist Forum zu zeigen.

© Ricarda Heidemann
DER ZERBROCHNE KRUG @ Kleist–Museum
Okt 2 um 18:00

Ein Lustspiel. theater 89

Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist ist ein Glanzstück brandenburgisch–preußischen Kulturerbes. Kaum zu überbieten an Situationskomik und Wortwitz, ist es ein Fressen für Schauspieler und Zuschauer gleichermaßen. Das »alte« Lustspiel stellt überzeitliche Fragen von Recht und Missbrauch, von Wahrheit und Lüge, und jede Zivilgesellschaft, in der man wegen eines zerbrochenen Kruges klagen kann und feilschen muss, wird komisch entlarvt. Wie lebte und wie lebt man in Zeiten des Paradigmenwechsels? Das zu erinnern, zu vergleichen oder herauszufinden kann auch mit Kleists Hilfe nützlich und unterhaltsam werden…Worum geht es? Dorfrichter Adam muss über eine Tat zu Gericht sitzen, die er selbst begangen hat. Im Mittelpunkt der um 1685 in der Gerichtsstube in Huisum, einem fiktiven niederländischen Dorf spielenden Verhandlung steht ein zerbrochener Krug, welcher der Frau Marthe Rull gehört. Sie beschuldigt jedoch Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, den Krug in ihrem Haus zerstört zu haben… Der zerbrochne Krug gilt wie Sophokles’ König Ödipus als Musterbeispiel eines analytischen Dramas. Es baut auf einen bestimmten Vorfall in der Vorgeschichte des dargestellten Geschehens, dessen Ursache erst im Verlauf der Handlung entdeckt und enthüllt wird.

Die Theateraufführung wird gefördert von der Sparkasse Oder-Spree.

Mit: André Zimmermann, Matthias Zahlbaum, Martin Schneider, Angelika Perdelwitz, Kristin Schulze, Hans–Joachim Frank, Christian Schaefer, Katrin Schell und Moritz Meyer; Regie: Hans–Joachim Frank; Bühne und Kostüme: Barbara Noack; Dramaturgie: Jörg Mihan; Assistenz: Christian Schaefer; Lichtdesign/ Technik: Moritz Meyer; Öffentlichkeitsarbeit: Uta Wilde; Anfertigung der Dekoration: theater 89

Okt
3
Sa
2020
DER ERSTE ATEMZUG DER FREIHEIT… @ Kleist–Museum
Okt 3 um 15:00

Bürgerprojekt — Workshop und Probe
Sa. 03.10. | 15:00

Generalprobe
Sa. 10.10. | 15:00 St.–Gertraud–Kirche

Aufführung der Bürgerschaftslesung
So. 11.10. | 14:00 St.–Gertraud–Kirche

Eine Stadt liest — seit 2016 lädt das Kleist– Museum während der Festtage zu einem Bürgerschaftsprojekt, diesmal epochenübergreifend zum Thema des Jahres: Freiheit! Probentermin mit Daniel Heinz und Anette Handke in Vorbereitung auf die Bürgerschaftslesung. Im Workshop geht es um Fragen der Präsentation, der Sprech– und Vorlesetechnik. Ein gemeinsames Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)–Lebus und des Kleist–Museums.

PREMIERE STEFAN HEYM: VOM AUFSTOSSEN DER FENSTER @ Kleist Forum
Okt 3 um 19:30

 Performance mit Musik

Eine der wichtigsten Auseinandersetzungen im Leben und Schreiben Stefan Heyms war jene über die Möglich– oder Unmöglichkeit der Wiedervereinigung der zerrissenen deutschen Staatsteile. Wie sehr er damit gehadert hat, dafür, dagegen, kann man seinen Essays, Romanen, Artikeln und Reden entnehmen. Robert Stadlober, Klara Deutschmann, Astrid Noventa, Daniel Moheit und Lars Dreiucker werden diesen staunenden Zweifel Stefan Heyms auf die uns heute umgebende Wirklich- keit blicken lassen. Warum gibt es dort, wo 1989 so viel Hoffnung war, in diesen Tagen so viel Aggression. Welche Träume, Ideale aber auch Erkenntnisse wären vielleicht zu bewahren gewesen, welche Wahrheiten hätten gelassen ausgesprochen werden können. Und vor allem: Welche Fenster gilt es weiterhin und unermüdlich aufzustoßen.

Mit: Robert Stadlober, Klara Deutschmann, Astrid Noventa, Daniel Moheit, Lars Dreiucker

© Jana Ritchie
Okt
4
So
2020
DAS DEUTSCHESTE ALLER DRAMEN. KLEISTS HERRMANNSSCHLACHT UND DER ZEITGEIST @ Kleist–Museum
Okt 4 – Okt 17 ganztägig

Sonderausstellung des Kleist–Museums
04. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021

Heinrich von Kleists Drama Die Herrmannsschlacht, 1808 geschrieben und 1821 veröffentlicht, hat eine wechselvolle Rezeptionsgeschichte. Sie liegt vor allem in Kleists Stoffwahl begründet, diente doch der Mythos um die Hermanns– bzw. Varusschlacht im Jahre 9 schon seit seiner ›Erfindung‹ im 15. Jahrhundert der Konstruktion einer deutschen Nation.

Nach anfänglicher Wirkungslosigkeit wurde das Drama nach 1875 in den Kanon der nationalen Literatur aufgenommen und erlebte in den 1920er und 1930er Jahren eine derartig nationalistische, faschistische Funktionalisierung, dass bis in die 1980er Jahre eine Zeit relativen Verschweigens folgte. Seitdem gab und gibt es unterschiedlichste Wiederaneignungsversuche. Die Ausstellung fokussiert auf die Theaterrezeption der Herrmannsschlacht. Was passiert mit einem sogenannten politischen Tendenzstück, das »einzig und allein auf diesen Augenblick berechnet war« (Kleist an Collin, 20. April 1809), wenn es nach seinem eigentlichen Augenblick, unter einem neuen Zeit- geist auf die Bühne gebracht wird?
Welche Reibungen entstehen zwischen Theaterinszenierungen und ihren Kritiken, also zwischen Rezeption und Rezeption der Rezeption? Welche Deutungskämpfe werden ausgetragen? Während die Besucher*innen im ersten Ausstellungsraum einer Chronologie der Rezeptionen folgen, wer- den sie im zweiten Ausstellungsraum in die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Bühnenrealisierungen versetzt — und aufgefordert, daran mitzuarbeiten: Mit Hilfe von Textausschnitten, Bühnenbildern und Requisiten können die Besucher*innen ihre ganz eigenen, ganz aktuellen Herrmannsschlachten inszenieren.

In Medienpartnerschaft mit:

 

DAS DEUTSCHESTE ALLER DRAMEN. KLEISTS HERRMANNSSCHLACHT UND DER ZEITGEIST @ Kleist–Museum
Okt 4 um 11:00

Vernissage mit Theaterspiel

Begrüßung: Dr. Hannah Lotte Lund, Direktorin des Kleist–Museums
Einführung: Dr. Barbara Gribnitz, Kuratorin, und Jule Froböse, panatom, Gestalterin

Dass Kleists Herrmannsschlacht auch unter heutigem Zeitgeist gespielt wird, beweisen die aktuellen Inszenierungen am Schauspiel Leipzig (Regie: Dušan David Parízek) und Burgtheater Wien (Regie: Martin Kušej). Entfernt vom ›deutschen‹ Gründungsmythos richtete die Theaterrezeption der letzten Jahrzehnte den Blick auf andere, umfassendere Aspekte: auf die Manipulationskunst Herrmanns, die gnadenlose Vermengung von Privatsphäre und Politik sowie auf die Unmöglichkeit, etwas Eigenes zu schaffen, ohne Fremdes auszuschließen. Wie diese neuen Perspektiven auf Kleists Stück — ausgestattet mit Text und nur wenigen Requisiten — präsentiert werden können, zeigen Schüler- innen und Schüler des Kurses »Darstellendes Spiel« des Karl–Liebknecht–Gymnasiums, Frankfurt (Oder).

In Medienpartnerschaft mit:

KAUBE TRIFFT… @ Kleist–Museum
Okt 4 um 14:00

Eröffnung der Gesprächsreihe mit Jürgen Kaube

Am Beispiel des umstrittensten Stück Heinrich von Kleists beschäftigt sich die Sonderausstellung »Das deutscheste aller Dramen. Kleists Herrmannsschlacht und der Zeitgeist« mit bis heute brisanten Themen wie Nationalismus, Propaganda oder Ge- bzw. Missbrauch von Literatur. Um eine Diskussion dieser Fragen anzustoßen, laden das Kleist-Museum und die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu vielstimmigen Debatten ein. Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, spricht mit bekannten Gästen aus den Bereichen Theater, Politik und Wissenschaft.

© Rolf Arnold

In Medienpartnerschaft mit:

HEINRICH VON KLEIST – GESCHICHTE EINER SEELE @ Kleist Forum
Okt 4 um 17:00

Monolog mit Hanns Jörg Krumpholz

Was soll man von einem halten, der über seine Dramen an Goethe schreibt, für die Bühne seien sie nicht geeignet. Heute jedoch gehören die Werke Heinrich von Kleists zu den großen Schätzen des deutschen Theaters. Er selbst hat nie eines auf der Bühne gesehen — ein van Gogh der Dramatik. Die Geschichte einer Seele ist eine Reise durch das Leben eines, der nicht sesshaft ist. Weder an Orten, noch im Geist. Dabei klingen seine Wünsche so bescheiden: »ein Weib, ein eignes Haus und Freiheit« (April 1801 an Wilhelmine von Zenge).

Nichts davon hat Kleist erreicht, als er 1811, gerade 34 Jahre alt geworden, zuerst seine Herzensfreundin Henriette Vogel und dann sich selbst am Kleinen Wannsee erschießt. Der Abend gibt Einblick in das rastlose Schicksal eines Begnadeten und Getriebenen. Die von Hermann Beil zusammengestellte Vita aus Briefen an Freunde und Gönner, Kleists Verlobte Wilhelmine von Zenge und seine Schwester Ulrike zeigen den seelischen und geistigen Kampf eines Unverstandenen. Der Schauspieler Hanns Jörg Krumpholz gibt sich dieser Lebensgeschichte mit allen Mitteln der Schauspielkunst hin. Er schreit, flüstert, doziert und versieht Kleists Tiraden über Paris und Würzburg mit sanfter Ironie und beißendem Spott. Hanns Jörg Krumpholz war am Schauspielhaus Zürich und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert. Er ist die Synchronstimme des Hollywoodschauspielers William Defoe.

Mit: Hanns Jörg Krumpholz; Inszenierung: Jens Weisser; Fassung: Hermann Beil; Kostüme: Hanna Lena Autzen; Regieassistenz: Mathilda Maack

© Hannes Caspar
Okt
5
Mo
2020
PREMIERE MANCHMAL GRUENET DAS ZIEL @ Kleist–Museum
Okt 5 um 19:00

Gunter Schoß liest Peter Hacks

Gunter Schoß wird 80! Von 1964 bis 1990 war er Mitglied des Fernsehensembles der DDR, danach stand er in über 150 Film– und Fernseh–Produktionen vor der Kamera, aber auch »nur« mit seiner Stimme hat der charismatische Schauspieler und Sprecher immer wieder ein großes Publikum und u.a. einen Grimme–Preis erreicht.

Im Kleist–Museum findet die Premiere seiner jüngsten Arbeit statt: Schoß liest Hacks!
Mit Peter Hacks durchstreift er »Märkische Wiesen« und ein »Märkisches Museum«, bemächtigt sich der »Kunstformen der Ge- schichte« und liest von »Zwei Denkwürdigkeiten aus preußischen Feldzügen«. Poetische Sichten in Natur und Geschichte gehen zusammen. Nicht immer ist das Betrachtete schön, wird jedoch schön in der Darstellung durch Hacks und im Ton der Interpretation von Gunter Schoß, der die Texte unvergesslich eindringlich wiedergibt.

© Manfred Paul
Okt
6
Di
2020
DIE VERLOBUNG IN ST. DOMINGO @ Kleist–Museum
Okt 6 um 19:00

Ein Gespräch im Widerspruch (?)

Das 2019 uraufgeführte Theaterstück Die Verlobung in St. Domingo — ein Widerspruch. Necati Öziri gegen Heinrich von Kleist ist eine facettenreiche Gegenerzählung, die mehr als nur ein Dilemma in revolutionsgetränkten Zeiten thematisiert. Dabei wird Kleists Erzählung einer Liebesgeschichte, die während des Sklavenaufstandes auf der französischen Inselkolonie Saint Domingue spielt, weitreichender in den historischen Kontext der Haitianischen Revolution gestellt. In einem Gespräch mit dem Autor Necati Öziri, der Dramaturgin Rebecca Ajnwojner und Magdalena Paluska, 360°–Agentin im Kleist–Museum, diskutieren wir u.a. darüber, ob und wie es gelingen kann, rassistische Machtverhältnisse zu thematisieren, ohne sie in Wort und Tat auf der Bühne zu reproduzieren. Necati Öziri hat Philosophie, Germanistik und Neue Deutsche Literatur studiert. Sein Stück Die Verlobung in St. Domingo — ein Widerspruch wurde als Koproduktion des Schauspielhauses Zürich und des Gorki–Theaters in Berlin unter der Regie von Sebastian Nübling in der Spielzeit 2019/20 aufgeführt. Seit der Spielzeit 2020/21 ist er Hausautor des Nationaltheaters Mannheim. Rebecca Ajnwojner absolvierte ein Psychologie-, Dramaturgie- und Regie-Studium. Als Dramaturgin am Maxim Gorki Theater war sie u. a. Mitorganisatorin des interdisziplinären Festivals 4. Berliner Herbstsalon. Mit englischer Simultanübersetzung.

© Christian Kleiner

Gefördert im Programm:

DUCKEN, VERKRIECHEN, MAULHALTEN! @ Brückenplatz
Okt 6 um 19:00

Eine performative Installation im Prozess

Di. 06.10. | 19:00
Do. 09.10. | 17:00

Mit der performativen Installation Ducken, Verkriechen, Maulhalten, wird die ehemalige Turnhalle auf dem Brückenplatz — Plac Mostowy mit dem sie umgebenden Gelände zu einer Kunstinstallation, einem Gesamtkunst- werk, das der Theaterregisseur Thomas Roth, die Regisseurin und Schauspielerin Katja Klemt und der Bildende Künstler Michael Kurzwelly mit den migrantischen Akteuren des Brückenplatzes gemeinsam entwickeln. Mit einem Erzählcafé, verschiedenen Vorträgen, performativen Präsentationen und Gesprächen bearbeiten sie beispielhaft das Thema der Zwangsumsiedlung des Volksstammes der Lemken im Rahmen der »Aktion Weichsel« aus den Beskiden in die »wiedergewonnenen Gebiete«. Neben einer Einführung in den geschichtlichen Kontext dient das Thema
als Beispiel und Metapher für Vertreibung, Flucht und die damit verbundenen Traumata, wie rassistische Ausgrenzung, sowie die Suche nach einer neuen Form von Gesellschaft, die uns allen zur Heimat werden kann, egal, woher wir kommen. Was machen Flucht und Vertreibung mit den Betroffenen? Wie wehrt man sich gegen rassistische Ausgrenzung und Über- griffe? Was sind ihre Wünsche in der neuen Heimat? Wann wird ein neuer Ort zur Heimat?

Wegen Platzbegrenzung wird um vorherige Anmeldung unter arttrans@arttrans.de gebeten.

© Michael Kurzwelly
Okt
7
Mi
2020
MICHAEL KOHLHAAS @ Kleist–Museum
Okt 7 um 10:00

Latarnia–Hörspielprojekt mit Schüler*innen des Karl–Liebknecht–Gymnasiums, Frankfurt (Oder)

Das Kleist–Museum lädt Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt (Oder) und Słubice ein, Heinrich von Kleists Erzählung Michael Kohlhaas als Hörspiel in deutscher und polnischer Sprache zu vertonen. Dafür schlüpfen sie in die Rolle von Hörspiel–Produzent*innen und Schauspieler*innen und lernen von der Dramaturgie bis zur Tontechnik alle Stationen einer Hörspiel–Produktion kennen. Mit der Kleist’schen Erzählung über Recht und Gerechtigkeit, Selbstjustiz und Freiheit setzen sie sich, unter Anleitung der Regisseurin Monika Dobrowlanska, intensiv auseinander. Das Bürgerradio Słubfurt verrät, worauf es bei der technischen Umsetzung ankommt. Bis zum Frühjahr 2021 entsteht in Kooperation ein deutsch–polnisches Kleist–Hörspiel für das ganz große Publikum. Dr. Monika Dobrowlanska, Theaterregisseurin, Autorin, Prix–Tournesol Preisträgerin beim Festival d’Avignon 2017 in der Kategorie Jenseits der Grenzen, versteht sich als europäische Regisseurin. Das von ihr 2012 gegründete interkulturelle Künstlerkollektiv multicultural city setzt u.a. Projekte im Bereich Kulturelle Bildung für Jugendliche in Berlin und Brandenburg um. Unsere Projektpartner: Karl– Liebknecht–Gymnasium, Frankfurt (Oder) & Szkoła Podstawowa nr 2 im. Tadeusza Kościuszki, Słubice & Radio Słubfurt e.V.

© Monika Dobrowlanska

Gefördert im Programm:

DIE VERWANDLUNG @ Kleist Forum
Okt 7 um 19:30

Schauspiel nach Franz Kafka Théâtre National du Luxembourg

Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer, nicht nur bei Goya: Gregor Samsas Erwachen »aus unruhigen Träumen« geht nahtlos in den eigentlichen Albtraum über — der Tuchwarenvertreter muss feststellen, dass er sich über Nacht in ein Insekt verwandelt hat, und zwar eines von der unschöneren Sorte. Seine Familie reagiert entsetzt. Franz Kafkas modernes Gräuelmärchen Die Verwandlung behandelt den Existenzkampf eines Menschen, der schon vor der Metamorphose anders war als die anderen — ein Künstler unter Spießern vielleicht, wie Nabokov bemerkt hat, für den einzig die Verwandlung in ein »ungeheueres Ungeziefer« einen Ausweg aus den verhassten ökonomischen Abhängigkeitsverhältnissen bietet. Hier wird vom erbarmungslosen Blick der Anderen und der graduellen Entmenschlichung des Einen erzählt.

© Bohumil Kostohryz


Mit: François Camus, Lili Epply, Maria Gräfe, Fabian Krüger, Ulrich Kuhlmann, Monique Reuter, Annette Schlechter; Regie: Frank Hoffmann; Bühnenbild: Ben Willikens; Bühnenbildmitarbeit: Bernhard M. Eusterschulte; Kostüme: Susann Bieling; Musik: René Nuss; Dramaturgie: Florian Hirsch; Regieassistenz: Mahlia Theismann

Okt
8
Do
2020
DIE HERMANNSCHLACHT @ Kleist–Museum
Okt 8 um 19:00

Ein Stummfilm in fünf Akten von 1924 Filmabend im Kleist–Museum

Die Hermann– oder Varusschlacht gilt als Gründungsmythos der deutschen Nation. Im Bau des Detmolder Hermannsdenkmals fand dieses nationale Selbstverständnis im 19. Jahrhundert einen sichtbaren Ausdruck. Dass der Mythos auch im 20. Jahrhundert noch für konkrete politische Zwecke instrumentalisiert wurde, lässt der 1922/1923 gedrehte Stummfilm Die Hermannschlacht eindrucks- voll erkennen. Gedreht wurde das »historische Gemälde aus Deutschlands ersten Freiheits- kämpfen« an den Originalschauplätzen, wie man damals einhellig meinte, in unmittelbarer Nähe zum Hermannsdenkmal. Die Texttafeln der Zwischentitel lesen sich wie ein aus dem Mythos abgeleiteter tagespolitischer Appell. Dass dieser Film zwar von den Römern sprach, aber die Franzosen meinte, die 1923 das Ruhrgebiet besetzt hatten, wurde von dem begeisterten Premierenpublikum und der konservativen Tagespresse auch sofort ver- standen. Nachdem sich die politische und wirtschaftliche Situation 1924 beruhigt hatte, verschwand Die Hermannschlacht in den Archiven und wurde bald vergessen. Eine Originalkopie, offenbar 1945 von der sowjetischen Armee beschlagnahmt, fand sich 1990 im Zentralen Filmarchiv der UdSSR wieder. Wir zeigen den Film aus der cineastischen Frühzeit in der Fassung des LWL–Medienzentrums, von dem Detmolder Pianisten Daniel Wahren kongenial untermalt.

PREMIERE – DIE DA DRUEBEN ODER THEATER IN JERUSALEM @ Kleist Forum
Okt 8 um 19:30

Szenische Erstlesung von Mohamed Kacimi Aus dem Französischen von Mathieu Carrière

»Theater kann ideologische Kriege entschärfen«, ist die Ausgangsthese dieser rasanten Komödie von Mohamed Kacimi, die wie kaum ein anderes Stück die Gegenwart auf die Bühne bringt. Nur wenn wir die Tragödie des »Feindes« zur Sprache bringen, können wir unsere eigene besser verstehen — das ist die ureigene Idee von Theater. So sieht das nicht nur Aischylos, sondern auch Adel Hakim, der in seinem epischen Stück Rosen und Jasmin die Liebe und den Hass zwischen Palästinensern und Israelis über drei Generationen verhandelt. Mohamed Kacimi hat während der sechs Monate Probenarbeit zu Rosen und Jasmin im Palästinensischen Nationaltheater als Dramaturg ein Tagebuch geführt. Dieses Tagebuch ist das Material, aus dem Die da drüben oder Theater in Jerusalem entstand. Ein Stück über ein Stück. Tanz in einem Wespennest — schonungslos und direkt.
Mohamed Kacimi, geboren 1955, ist ein algerischer Schriftsteller und Dramatiker. Nach einem Literaturstudium an der Universität von Algier ließ er sich in Paris nieder. Dort wurde er zunächst durch Essays und Romane bekannt. Seit Mitte der 1990er Jahre schreibt er international erfolgreich für das Theater.

Mit: Andreas Arnstedt, David Brunners, Elena Carrière, Mathieu Carrière, Arash Marandi, Alexandra von Schwerin, Vera Tavares und Thomas Thieme

© Sonia Hamza & Rolf Köster
Okt
9
Fr
2020
NELE POLLATSCHEK: DEAR OXBRIDGE. LIEBESBRIEF AN ENGLAND
Okt 9 um 10:00

Lesung in einem Frankfurter Gymnasium

NC 1,3 ? Das muss doch zu schaffen sein! Und dann ab nach England! Studieren in Oxford und Cambridge! Das wär’s doch.
Nele Pollatschek liest aus ihrem Buch und erzählt von ihrem eigenen eisernen Plan.

Wenn jemand eine Obsession hat, dann ist es schwer, ihn davon abzubringen. In Nele Pollatscheks Fall heißt die Obsession seit ihrer Jugend »Oxbridge«. Irrsinnige Anstrengungen nimmt sie auf sich, lernt das bizarre Verhalten der englischen Eliten kennen, verbringt die Nächte zwischen High–Society– Partys und Bibliothek. Gerade denkt sie, sie gehöre dazu — da erfolgt am 23. Juni 2016 dieser Schlag: Die Briten wollen mit Europäern wie ihr nichts mehr zu tun haben. Nele Pollatschek geht in ihrem Buch der Frage nach, wie es zum Bruch kommen konnte. Was ist los mit diesem England? Sie erkennt: der Schlüssel zur Misere liegt da, wo sie gerade war! Das System Oxbridge bringt jene Mentalität und jenen englischen Politikertyp hervor, der gerade das Land zugrunde richtet. Mit abgründigem Humor setzt Nele Pollatschek ihrer großen Liebe, dem alten England, ein unterhaltsames und kluges Denkmal.

© Nele Pollatschek
DUCKEN, VERKRIECHEN, MAULHALTEN! @ Brückenplatz
Okt 9 um 17:00

Eine performative Installation im Prozess

Di. 06.10. | 19:00
Do. 09.10. | 17:00

Mit der performativen Installation Ducken, Verkriechen, Maulhalten, wird die ehemalige Turnhalle auf dem Brückenplatz — Plac Mostowy mit dem sie umgebenden Gelände zu einer Kunstinstallation, einem Gesamtkunst- werk, das der Theaterregisseur Thomas Roth, die Regisseurin und Schauspielerin Katja Klemt und der Bildende Künstler Michael Kurzwelly mit den migrantischen Akteuren des Brückenplatzes gemeinsam entwickeln. Mit einem Erzählcafé, verschiedenen Vorträgen, performativen Präsentationen und Gesprächen bearbeiten sie beispielhaft das Thema der Zwangsumsiedlung des Volksstammes der Lemken im Rahmen der »Aktion Weichsel« aus den Beskiden in die »wiedergewonnenen Gebiete«. Neben einer Einführung in den geschichtlichen Kontext dient das Thema
als Beispiel und Metapher für Vertreibung, Flucht und die damit verbundenen Traumata, wie rassistische Ausgrenzung, sowie die Suche nach einer neuen Form von Gesellschaft, die uns allen zur Heimat werden kann, egal, woher wir kommen. Was machen Flucht und Vertreibung mit den Betroffenen? Wie wehrt man sich gegen rassistische Ausgrenzung und Über- griffe? Was sind ihre Wünsche in der neuen Heimat? Wann wird ein neuer Ort zur Heimat?

Wegen Platzbegrenzung wird um vorherige Anmeldung unter arttrans@arttrans.de gebeten.

© Michael Kurzwelly
NELE POLLATSCHEK: DEAR OXBRIDGE. LIEBESBRIEF AN ENGLAND @ Salon im Kleist–Museum
Okt 9 um 17:00

Teatime mit Nele Pollatschek

Wenn jemand eine Obsession hat, dann ist es schwer, ihn davon abzubringen. In Nele Pollatscheks Fall heißt die Obsession seit ihrer Jugend »Oxbridge«. Irrsinnige Anstrengungen nimmt sie auf sich, lernt das bizarre Verhalten der englischen Eliten kennen, verbringt die Nächte zwischen High–Society– Partys und Bibliothek. Gerade denkt sie, sie gehöre dazu — da erfolgt am 23. Juni 2016 dieser Schlag: Die Briten wollen mit Europäern wie ihr nichts mehr zu tun haben. Nele Pollatschek geht in ihrem Buch der Frage nach, wie es zum Bruch kommen konnte. Was ist los mit diesem England? Sie erkennt: der Schlüssel zur Misere liegt da, wo sie gerade war! Das System Oxbridge bringt jene Mentalität und jenen englischen Politikertyp hervor, der gerade das Land zugrunde richtet. Mit abgründigem Humor setzt Nele Pollatschek ihrer großen Liebe, dem alten England, ein unterhaltsames und kluges Denkmal.

© Nele Pollatschek
BEST OF POETRY SLAM DIE DA DRUEBEN @ Kleist Forum
Okt 9 um 20:00

Präsentiert von Kampf der Künste

Die Dichterschlacht um die Gunst des Publikums darf auch bei den Kleist–Festtagen 2020 nicht fehlen! Kampf der Künste präsentiert zusammen mit dem Kleist Forum erneut einen Poetry Slam Best of der Sonderklasse. Poet*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Gebiet werden sich auch dieses Mal nicht bitten lassen, sich des diesjährigen Themas Die da drüben anzunehmen und mit geölten Wort–Pfeilen in die Herzen der Menschen zu schießen. Denn es gibt wenige Künstler*innen der Jetzt–Zeit, die sich so intensiv mit den Themen der Selbstreflexion, der eigenen Identität und dem Sein der Anderen auseinandersetzen wie die Bühnenpoet*innen. Jedes Wort und jede Silbe werden gedreht und gewendet, bis zur Perfektion geschmiedet und mit Gefühl und Genialität performt bis die Frage aller Fragen beantwortet wird: Wer sind wir? Und wer sind die Anderen? Und warum sind wir auch die Anderen?

Moderation: David Friedrich

© Jan Brandes
Okt
10
Sa
2020
DER ERSTE ATEMZUG DER FREIHEIT… @ St.–Gertraud–Kirche
Okt 10 um 15:00

Bürgerprojekt — Workshop und Probe
Sa. 03.10. | 15:00

Generalprobe
Sa. 10.10. | 15:00 St.–Gertraud–Kirche

Aufführung der Bürgerschaftslesung
So. 11.10. | 14:00 St.–Gertraud–Kirche

Eine Stadt liest — seit 2016 lädt das Kleist– Museum während der Festtage zu einem Bürgerschaftsprojekt, diesmal epochenübergreifend zum Thema des Jahres: Freiheit! Probentermin mit Daniel Heinz und Anette Handke in Vorbereitung auf die Bürgerschaftslesung. Im Workshop geht es um Fragen der Präsentation, der Sprech– und Vorlesetechnik. Ein gemeinsames Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)–Lebus und des Kleist–Museums.

PREMIERE – AMPHITRYON ODER DIE KUNST DES LIEBENS @ Kleist Forum · Studiobühne
Okt 10 um 16:00

Tragikomödie nach Heinrich von Kleist

Jupiter erscheint Alkmene in Gestalt ihres Gatten Amphitryon und verführt sie. Als der echte Ehemann zurückkehrt und Alkmene ihm von der vermeintlich gemeinsam durchlebten Nacht berichtet, bricht für ihn nicht nur seine Beziehung, die ihm seine eine Welt schien, sondern auch seine Identität zusammen. Er sieht sich durch einen Doppelgänger ersetzt, der ihm mehr zu entsprechen scheint, als er selbst: Wer ist wer? Und welches Ich bin ich?
Kleists Spiel der Täuschung und des Selbstbetrugs wird in der Regie von Christian Schmidt zur atemlosen Tour de Force in die Abgründe einer partnerschaftlichen Beziehung.
Sämtliche Figuren des Stückes verschmelzen mit den Charakteren von Amphitryon und Alkmene in dieser konzentrierten Fassung, die die Frage nach der Liebe als eine Krise des Subjekts thematisiert. Dieses Zweifeln an der Identität des anderen wird zu einer Frage nach der Gewissheit und Unzuverlässigkeit des eigenen ICH, zu einem Ringen nach Wahrhaftigkeit. Dies geschieht mit klarem Blick für Charaktere und Situationen der Kleisteschen Figuren und auf die Tiefen dieses zutiefst tragikomischen Stückes.

Mit Catherine Stoyan und Christian Schmidt; Dauer: ca. 80 Minuten, keine Pause; Regie: Christian Schmidt; Ausstattung: Heike Neugebauer; Musik: Florian Rynkowski; Dramaturgie: Helge Björn Meyer; Choreografische Mitarbeit: Anna Luise Recke

© Nadja Schröder
PREMIERE – AMPHITRYON ODER DIE KUNST DES LIEBENS @ Kleist Forum · Studiobühne
Okt 10 um 19:30

Tragikomödie nach Heinrich von Kleist

Jupiter erscheint Alkmene in Gestalt ihres Gatten Amphitryon und verführt sie. Als der echte Ehemann zurückkehrt und Alkmene ihm von der vermeintlich gemeinsam durchlebten Nacht berichtet, bricht für ihn nicht nur seine Beziehung, die ihm seine eine Welt schien, sondern auch seine Identität zusammen. Er sieht sich durch einen Doppelgänger ersetzt, der ihm mehr zu entsprechen scheint, als er selbst: Wer ist wer? Und welches Ich bin ich?
Kleists Spiel der Täuschung und des Selbstbetrugs wird in der Regie von Christian Schmidt zur atemlosen Tour de Force in die Abgründe einer partnerschaftlichen Beziehung.
Sämtliche Figuren des Stückes verschmelzen mit den Charakteren von Amphitryon und Alkmene in dieser konzentrierten Fassung, die die Frage nach der Liebe als eine Krise des Subjekts thematisiert. Dieses Zweifeln an der Identität des anderen wird zu einer Frage nach der Gewissheit und Unzuverlässigkeit des eigenen ICH, zu einem Ringen nach Wahrhaftigkeit. Dies geschieht mit klarem Blick für Charaktere und Situationen der Kleisteschen Figuren und auf die Tiefen dieses zutiefst tragikomischen Stückes.

Mit Catherine Stoyan und Christian Schmidt; Dauer: ca. 80 Minuten, keine Pause; Regie: Christian Schmidt; Ausstattung: Heike Neugebauer; Musik: Florian Rynkowski; Dramaturgie: Helge Björn Meyer; Choreografische Mitarbeit: Anna Luise Recke

© Nadja Schröder
Okt
11
So
2020
FRANZ FREIHERR GAUDY. EINE (NACHGEHOLTE) PRAESENTATION @ Kleist–Museum
Okt 11 um 11:00

Vortrag mit Lesung sowie Pop–Up–Ausstellung

Franz von Gaudy (1800–1840), Schriftsteller im Vormärz, ist ein Sohn der Oderstadt wie der eine Generation ältere Heinrich von Kleist. Sein Geburtshaus war das »Haus zum roten Polacken« in der Oderstraße 13 im Umfeld der Familien von Kleist und von Zenge. Er schrieb Novellen, Erzählungen, Reiseberichte und Gedichte, Balladen und Romanzen, hatte eine ausgeprägt satirische Ader und war ein ausgezeichneter Übersetzer aus dem Französischen und Polnischen. 15 Jahre, 1818 bis 1833, diente er als Leutnant in der preußischen Armee, 1834 bis 1840 lebte er als freier Schriftsteller in Berlin. Zu seiner Zeit war er im literarischen Deutschland weit bekannt und geachtet, inzwischen ist er fast vergessen. Die Germanistin Dr. Doris Fouquet–Plümacher, langjährige Bibliotheksdirektorin an der Freien Universität Berlin, hat sich Franz Freiherr Gaudy, wie er sich selbst nannte, über Jahre angenähert, auch haptische Spuren seines Lebens durch Wieder- auffinden und Herrichten seiner Grabstätte auf dem Friedhof I der Jerusalems– und Neuen Kirchengemeinde in Berlin wieder gegenwärtig gemacht. Pünktlich zu seinem 220. Geburtstag am 19. April lagen seine venetianischen und italienischen Novellen als Band 1 einer neuen Auswahlausgabe und ein Frankfurter Buntbuch zu einer bemerkenswerten Episode seines Armee–Lebens, der Haft auf der Festung Silberberg in Schlesien, vor, und das Kleist–Museum eröffnete seine virtuelle Gaudy–Ausstellung, kuratiert von Dr. Claudia Czok. Gaudys Wiederkehr in die literarische Welt erfolgt nun zu den Kleist–Festtagen in seinem 220. Geburtsjahr!

DER ERSTE ATEMZUG DER FREIHEIT… @ St.–Gertraud–Kirche
Okt 11 um 14:00

Lesung der Frankfurter Bürgerschaft

1809 schrieb Heinrich von Kleist einen Einleitungstext für seine geplante Zeitschrift Germania, ein Projekt, mit dem er sich unmittelbar einbringen wollte in die Zeit. Darin heißt es: »Diese Zeitschrift soll der erste Atemzug der deutschen Freiheit sein. Sie soll alles aussprechen was, während der drei letzten, unter dem Druck der Franzosen verseufzten, Jahre, in den Brüsten wackerer Deutscher, hat verschwiegen bleiben müssen: alle Besorgnis, alle Hoffnung, alles Elend und alles Glück.« Die nationale Erhebung fand erst drei Jahre später statt, das »Germania–Projekt« von Kleist blieb unbearbeitet. Bewusst nicht national ausgerichtet und Gegensätze verbindend, lädt das Kleist–Museum in diesem Jahr der Gedenktage (75 Jahre Befreiung vom Faschismus, 30 Jahre Wiedervereinigung) und globaler »Seufzer« in einem Gemeinschaftsprojekt dazu ein, den Freiheitsgedanken in fast 250 Jahren Literatur zu verfolgen. Zum Ende der Kleist–Festtage präsentiert sich die Bürgerschaftslesung: Angefangen bei Heinrich von Kleist und Franz von Gaudy laden wir alle Frankfurter*innen sowie Gäste der Stadt und der Region ein, Gedanken ebenso berühmter wie beinahe unbekannter Männer und Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts zu Gehör zu bringen. Die Premiere in der St.–Gertraud– Kirche wird von Musik umrahmt.
Ein gemeinsames Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder)–Lebus und des Kleist–Museums.

PREMIERE – AMPHITRYON ODER DIE KUNST DES LIEBENS @ Kleist Forum · Studiobühne
Okt 11 um 15:00

Tragikomödie nach Heinrich von Kleist

Jupiter erscheint Alkmene in Gestalt ihres Gatten Amphitryon und verführt sie. Als der echte Ehemann zurückkehrt und Alkmene ihm von der vermeintlich gemeinsam durchlebten Nacht berichtet, bricht für ihn nicht nur seine Beziehung, die ihm seine eine Welt schien, sondern auch seine Identität zusammen. Er sieht sich durch einen Doppelgänger ersetzt, der ihm mehr zu entsprechen scheint, als er selbst: Wer ist wer? Und welches Ich bin ich?
Kleists Spiel der Täuschung und des Selbstbetrugs wird in der Regie von Christian Schmidt zur atemlosen Tour de Force in die Abgründe einer partnerschaftlichen Beziehung.
Sämtliche Figuren des Stückes verschmelzen mit den Charakteren von Amphitryon und Alkmene in dieser konzentrierten Fassung, die die Frage nach der Liebe als eine Krise des Subjekts thematisiert. Dieses Zweifeln an der Identität des anderen wird zu einer Frage nach der Gewissheit und Unzuverlässigkeit des eigenen ICH, zu einem Ringen nach Wahrhaftigkeit. Dies geschieht mit klarem Blick für Charaktere und Situationen der Kleisteschen Figuren und auf die Tiefen dieses zutiefst tragikomischen Stückes.

Mit Catherine Stoyan und Christian Schmidt; Dauer: ca. 80 Minuten, keine Pause; Regie: Christian Schmidt; Ausstattung: Heike Neugebauer; Musik: Florian Rynkowski; Dramaturgie: Helge Björn Meyer; Choreografische Mitarbeit: Anna Luise Recke

© Nadja Schröder
PREMIERE – DIE JUNGFRAU VON ORLEANS @ Kleist Forum
Okt 11 um 17:00

Konzertante Lesung nach Friedrich Schiller

Mit seinen außergewöhnlichen konzertanten Lesungen hat Thomas Thieme das Publikum im Kleist Forum immer wieder begeistert. Er liebt das Kleist Forum ebenso wie seine Zuschauer*innen. Nach seiner herzzerreißenden Interpretation des Käthchens von Heilbronn im vergangenen Jahr nimmt er es bei den Kleist–Festtagen 2020 wieder mit einer besonderen Frau auf: Schillers Jungfrau von Orleans, die häufig in einem Atemzug mit Kleists Penthesilea genannt wird. Gemeinsam mit seinem Sohn Arthur an der Bassgitarre begibt sich der charakterstarke Schauspieler Thomas Thieme in alle Rollen dieses monumentalen und gleichzeitig filigranen Werkes. Ein literarisches Experiment, eine außergewöhnliche Premiere, ein Plädoyer für Schillers Werk und vor allem einer der ganz großen Schauspieler.

Mit: Thomas Thieme und Arthur Thieme (Bassgitarre)

 

© Tristan Vostry