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Preisträgerin 2024 Sarah Calörtscher – Foto: Fabienne Gantenbein

Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2024

Sarah Calörtscher erhält den Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2024 für ihr Stück „Herz aus Polyester“

Das Kleist Forum Frankfurt (Oder) und die Stadt Frankfurt (Oder) haben auf einer Pressekonferenz die Preisträgerin des Kleist-Förderpreises für junge Dramatikerinnen und Dramatiker 2024 bekannt gegeben. In diesem Jahr geht die renommierte Auszeichnung an Sarah Calörtscher für ihr Stück „Herz aus Polyester“. Der Kleist-Förderpreis ist mit einem Preisgeld von 7.500 Euro dotiert und mit einer Uraufführungsgarantie verbunden, die in diesem Jahr vom Deutschen Theater Berlin übernommen wird.

Seit 1996 vergeben die Kleist-Stadt Frankfurt (Oder), das Kleist Forum und die Dramaturgische Gesellschaft jährlich den Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker. Anwärterinnen und Anwärter, die bei Einsendeschluss nicht älter als 35 Jahre alt sind, können sich mit noch nicht uraufgeführten Theatertexten bewerben.

Der Preis gilt als Wegbereiter vieler, mittlerweile international renommierter Autorinnen und Autoren. Neben dem Preisgeld erfahren die Preisträgerinnen und Preisträger vor allem durch die Uraufführungsgarantie des ausgezeichneten Stücks eine größtmögliche Förderung.

Die offizielle Preisverleihung mit der Laudatio von Thomas Köck findet im Rahmen der diesjährigen Kleist-Festtage am 9. Oktober 2024 statt. Das prämierte Stück „Herz aus Polyester“ wird an diesem Abend erstmals in Frankfurt (Oder) gezeigt. Die Uraufführung produziert das Deutsche Theater Berlin in Zusammenarbeit mit dem Kleist Forum. Die Uraufführung wird im September 2024 in Berlin Premiere haben. Regie führt Daniel Foerster.

Zur Bekanntgabe der diesjährigen Gewinnerin dieses wichtigsten Nachwuchspreises für deutschsprachige Bühnenautorinnen und -autoren sprachen neben Florian Vogel (Künstlerischer Leiter am Kleist Forum und Vorsitzender der Jury des Kleist-Förderpreises) Milena Manns (Dezernentin für Kultur, Bildung, Sport, Bürgerbeteiligung und Europa der Stadt Frankfurt (Oder)) und Jasmin Maghames (Dramaturgin am Deutschen Theater Berlin).

Die Jury setzte sich folgendermaßen zusammen:

  • Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums Frankfurt (Oder) und Leitung der Jury
  • Thomas Köck, Autor und Laudator
  • Milena Manns, Dezernentin für Kultur, Bildung, Sport, Bürgerbeteiligung und Europa der Stadt Frankfurt (Oder)
  • Jasmin Maghames, Dramaturgin am Deutschen Theater Berlin
  • Harald Wolff, Mitglied Dramaturgische Gesellschaft
  • Beata Anna Schmutz, Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft, Künstlerische Leiterin Mannheimer Stadtensemble am Nationaltheater Mannheim
  • Petra Thöring, Dramaturgin Hessisches Landestheater Marburg
  • Anke Pätsch, Direktorin Kleist-Museum Frankfurt (Oder)
  • Jack Kurfess, Theater Consultant

In der Jury-Begründung heißt es: Sarah Calörtschers „Herz aus Polyester“ spielt gleichermaßen an der letzten Station zwischen Erde und Universum sowie im Herzen eines Algorithmus. Das Werk verbindet geschickt den Fluch der Zivilisation mit der Hoffnung auf ein verbessertes Leben auf dem Mars. Getrieben von der Furcht vor einer alles Leben befallenden geheimnisvollen Krankheit, die die Körper plastifizieren lässt, und Ressourcenmangel, bewerben sich drei Erdlinge um einen der begehrten Plätze auf der Marskolonie, dem einzigen Ausweg für die Menschheit. Die Prüfung ihrer Eignung obliegt einem Algorithmus, der in seinen Interaktionen beweist, dass er längst mehr ist als nur eine simple Rechenbox aus Nullen und Einsen – er ist zu Komplexerem fähig.

Die Schweizer Autorin Sarah Calörtscher beschreibt eindrücklich die Angst vor Stillstand, die Hoffnungen und die Gier der Menschheit nach Fortschritt. Mit beeindruckender Sprachgewalt erschafft sie nicht nur einem abstrakten Algorithmus eine lebendige Präsenz, sondern zeigt in dieser poetischen Science-Fiction auf, welche Möglichkeiten und Ausdrucksmittel das digitale Erzählen auf der Bühne bieten kann, ohne dabei das Menschliche aus den Augen zu verlieren.

Vita Preisträgerin: Sarah Calörtscher, geboren 1991 in Graubünden, sitzt am liebsten vor Tastaturen: An Synthesizern textet sie Sound, am Computer komponiert sie Wortgebilde. Nach einem Bachelor in Musik und Bewegung studierte sie Dramaturgie an der Züricher Hochschule der Künste. Bei Projekten in der freien Szene ist sie als Dramaturgin, Musikerin und Autorin anzutreffen. Sie ist Mitbegründerin der Band „Strange Modes“ und komponiert auch fürs Theater. Nach einem Studio-Semester am Theater Neumarkt war sie dort Regieassistentin für Anna-Sophie Mahlers „Whistleblowerin“ und Satoko Ichiharas „Madama Butterfly“. Nebst weiteren Hörspielen schrieb sie 2020 für das SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) das Kurzhörstück „Oxytocin“. Sie ist Absolventin des Dramenprozessors 22/23, in dessen Rahmen das Stück „Herz aus Polyester“ entstand. Im Frühjahr 2023 hat sie am Kellertheater Winterthur ein erstes Engagement als Dramaturgin für die Produktion von Marina Skalovas „Der Sturz der Kometen und der Kosmonauten“. Zuletzt hat sie mit dem Verein „soft und sauer“ ein dreiwöchiges performatives Recherchezentrum zum Thema Wohnraum geführt. Ihre Stückentwicklung „Grounding“ mit der „cie. Softsoil“ gewinnt den Theaterwettbewerb Premio-SPRING 2024 und wird im November 2024 Premiere am Südpol in Luzern feiern. Die Suche nach musikalischen Erzählstrukturen und der Zweifel an allem Festgefahrenen sind Kernthemen ihrer künstlerischen Arbeit.

Die Stücktexte und Aufführungsrechte liegen beim Verlag Hartmann & Stauffacher.

Fakten zum diesjährigen Preis: Zum 29. Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker wurden 61 deutschsprachige Stücke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht.

Für die redaktionelle Berichterstattung schicken wir auf Anfrage an presse@muv-ffo.de gern das Textbuch von „Herz aus Polyester“ als Datei zu.